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Abhärtung der Till.

Die Sache mit der Abhärtung / dem Abhärten der Tillandsien

Da sich die Freilandsaison der Tillandsien für dieses Jahr dem Ende zuneigt, ist es der Sache dienlich, sich mit dem Thema Abhärtung der Pflanzen zu beschäftigen. Hier steht das warum - weil die falsche Jahreszeit angesprochen wird.

Wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, stößt man häufiger als es einem lieb ist darauf, dass eine ganze Reihe Tillandsienhalter stolz darauf sind, ihre Pflanzen so lange es möglich erscheint, im Freiland zu belassen. Da kommen dann die Erklärungen, zur Gesunderhaltung der Pflanzen sei das notwendig, der Temperaturwechsel zwischen Tag und Nacht sollte möglichst groß sein, der Tau ist so gesund; ich habe auch schon gelesen: besonders zu empfehlen, hart gehaltene Tillandsien aus den Voralpen im Angebot. Harte Haltung klingt eher nach Militär. Nur die Pflanzen lassen sich nicht befehligen.

An anderer Stelle habe ich schon mal geschrieben, dass es nicht möglich ist, auch nicht sinnvoll, Klimaverhältnisse aus den Ursprungsländern nachzuahmen, weil die vielen Faktoren, die dort herrschen, nicht übertragbar sind. Die zentrale Frage ist: wie halte ich meinen Bestand, in dem so viel materieller und ideeller Aufwand steckt, über viele Jahre gesund. Auf keinen Fall erreicht man das mit extremen Haltungsbedingungen,

Was macht der Gärtner, der nach der wirtschaftlichen Rechnungsführung arbeitet, in solchen Fällen? Der Gärtner versteht unter Abhärten der Pflanzen die Vorbereitung und Übergang von der Gewächshaushaltung ins Freiland, also Maßnahmen im Frühjahr. Bei dem Übergang ins Freiland sollen Pflanzen, wie Balkonkastensortiment oder Kübelpflanzen, auch Gemüsepflanzen u.a. so vorbereitet sein, dass sie über eine Zeit von 14 Tagen bis drei Wochen durch reichliches Lüften, offene Kulturräume auch über Nacht auf den Wechsel ins Freiland vorbereitet werden. Dieser Übergang sollte ohne Probleme, Blattverfärbungen, Verbrennungen oder Wachstumsstockungen einhergehen.

Traditionell wurden Cyclamen oder auch Moorbeetkulturen im Herbst lange im Freiland gehalten, um Kulturraum und Energie zu sparen, auch um gedrungene Pflanzen zu erzeugen. Aber das Wuchsverhalten, die Kulturdauer und auch der Absatz und die Verwendung solcher Pflanzen unterscheiden sich grundsätzlich von der Tillandsienhaltung.

Jeder ernst zu nehmende Tillandsienhalter klagt über Pflanzenverluste, die zumeist im Winter, mit Beginn des neuen Jahres eintreten, oft lange unbemerkt. Die Hauptursachen sind in der Herbstbehandlung und mangelndem vorbeugenden Pflanzenschutz zu sehen. Der Herbst, also die Zeit vor dem direkten Einräumen, ist für ein Durchputzen der Pflanzen nicht geeignet, genau so wenig für das Trennen von Pflanzen, also die vegetative Vermehrung. Ein Kakteenhalter käme gar nicht auf solche Ideen. Wichtig ist, dass die Pflanzen ohne Verletzungen – auch kleinste – ins Gewächshaus kommen. Lose Aufbindungen sind während des Sommers nachzuarbeiten. Ebenso sollte hier das Putzen vorgenommen werden. Abgestorbenes  Pflanzenmaterial ist immer ein Krankheitsherd, zumal es nicht so abtrocknet, wie die lebende Pflanze. Das Thema Pflanzenschutz wird hier nicht betrachtet.

Wie sieht das Gewächshaus / der Kulturraum nach dem Einräumen aus. Vor allem nachts ist es kühl. Die Pflanzen haben sich während des Sommers im Freien erheblich gestreckt, damit hängen die Pflanzen sehr dicht. Sie sollten sich nicht berühren, Stapeln mögen sie gar nicht. Auch wenn Türen und Fenster je nach Witterungsverlauf noch offen sind, ist damit die Durchlüftung nicht gesichert. Ventilatoren ( gut sind mehrere ) sollten schon mit zugeschaltet werden. Sie müssen noch nicht Tag und Nacht durchlaufen. Aber ab dem ersten Tag im Gewächshaus sollte darauf geachtet werden, dass die Pflanzen zum Abend abgetrocknet sind. Die Wassergaben sind einzuschränken, denn Wassergaben führen immer zur Absenkung der Raumtemperatur. Und nun kommt es, die Heizung, anfänglich nachts, sollte beizeiten zugeschaltet werden, um eine Mindesttemperatur in der Nacht von anfänglich 14 ° C zu halten. Am Morgen kann dann die Heizung wieder abgeschaltet werden, und die Lüftung erfolgen. Das sollte so gehalten werden, bis das Winterregime greift. Es bringt nichts, seine Pflanzen im Herbst extremen Temperaturen auszusetzen. Mit Abhärten hat das nichts zu tun, eher mit Quälen. Die kalt zu haltenden Tillandsien sind davon ausgenommen, sie kommen in der Regel aber nicht mit der Gemeinschaftshaltung klar, meist weil die Kulturräume zu klein sind, und damit die Temperaturschwankungen zu hoch.

Es gibt hinreichend Tillandsienhaltung, die ganzjährig im Gewächshaus erfolgt. Dort sind über das ganze Jahr  betrachtet die Klimaverhältnisse ausgeglichener. Auch dort kann es Verluste geben, die aber verschwindend gering sind, wenn die Klimaführung im Gewächshaus fachgerecht beherrscht wird.

W.S. 08/06

 

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