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Lebendhaltung von Tillandsien
Wer sich dieses Thema als Ziel gesetzt hat, braucht einen langen Atem. Da nahezu alle Tillandsien im Vergleich zu anderen Pflanzen sehr langsam wachsen, ist vor allem Geduld gefordert.
Ein Vergleich mit anderen Zierpflanzen in gärtnerischer Haltung ist angeraten. Leicht entsteht der Mythos des Besonderen – bei diesen Tillandsien, vielleicht auch zu den Haltern.
Wie bei anderen bei uns gehaltenen Zierpflanzen stammen die Tillandsien nicht aus unserem natürlichen Umfeld, sondern sind in Mittelamerika beheimatet, und dort in den unterschiedlichsten Klimazonen und Höhenlagen.
Die Pflanzenbeschaffung ist ein gesondertes Thema. Es ist aber festzustellen, dass die Pflanzen beim Halter, trotz unterschiedlicher Herkunft, immer in Gemeinschaftshaltung kultiviert werden. Ausnahmen mag es auch da geben. Es ist damit nicht von einer optimalen Situation auszugehen.
Bedingt durch den Klimaverlauf in Mitteleuropa, werden die Pflanzen bei Frostgefahr oder im Winter im Gewächshaus gehalten. (gesondertes Thema)
Bis auf geringe Ausnahmen erfolgt die Haltung im Wesentlichen im privaten Bereich, mit allen damit verbundenen Problemen und Sonderheiten.
Hauptproblem ist wohl eine dauerhafte finanzielle Sicherstellung der Unternehmung. Neben der Baulichkeit sind die Heizung bzw. die Heizkosten die ausschlaggebenden Größen. Hier wird wohl jeder mit Zugeständnissen bei der Unterbringung leben müssen. Wie bei jeder Sammlung kommt über kurz oder lang das Platzproblem dazu, denn die Pflanzen wachsen langsam aber stetig, sie vermehren sich, neue kommen dazu. Spätestens bei diesem Erkenntnisstand sollte sich der Halter ein Konzept machen, und für sich die Ziele seiner Halter- bzw. Sammelleidenschaft definieren. Es ist eine reale Betrachtungsweise angeraten. Es sollte immer davon ausgegangen werden, dass der Pflanzenbestand durchaus einen finanziellen Wert darstellt, in der Regel aber der ideelle Wert zählt. Wer das verinnerlicht hat, sollte über die Selbstkontrolle seiner Handlungsweisen und seine persönliche Vertretung befinden. Wenn das getan ist, kann er sich auf die nächst höhere Stufe der Erkenntnis seiner Tätigkeit zu bewegen.
Was bedeutet Lebendpflanzenhaltung von Tillandsien:
Herr Pinkert hat einmal festgestellt: „Ich mache alles, damit ich mich an den Pflanzen erfreuen kann“. Das ist auch mein Standpunkt. Geht man davon aus, ist das Ziel der Haltung mit der Erzielung einer Infloreszenz nur ein Teil von vielen anderen.
Die Vielfältigkeit der äußeren Form, der Beschuppung, der Blattausfärbung usw. ist faszinierend.
Die größte Herausforderung besteht aber darin, den Pflanzen die Möglichkeit – da gibt es wohl nicht das Optimum – zu geben, in der frostfreien Zeit, bei uns Ende Mai bis Mitte September, sich so zu stärken, dass sie dann die für sie doch sehr ungünstigen Bedingungen im Gewächshaus, verbunden mit Lichtarmut, überstehen. Richtig könnte man es beschreiben, dass man nicht mehr als lebenserhaltenden Maßnahmen für die Pflanzen schafft.
Im Sommer ist eine Haltung im Freien am günstigsten. Zur Risikominimierung gehören: Schutz vor Hagel, Sturm, Sonnenbrand und extremen Dauerregen, ggf. auch Maßnahmen gegen Wespen und Zweibeiner.
Eine möglichst ordentliche Benennung und dauerhafte unverwechselbare Etikettierung verbunden mit einer entsprechenden Bestandsführung ist selbstverständlich.
Der Halter sollte auch mit seinen Pflanzen reden. Dabei muss er aber in der Lage sein, die richtigen Fragen zu stellen, und auch die Antworten der Pflanzen deuten zu können. Dazu gehören jahrelange Erfahrung und durchaus auch sehr schmerzhafte Verluste. So wird man zum Lernen gezwungen.
Der Halter kommt nicht darum herum, er muss perspektivisch arbeiten. Das betrifft nicht nur die Sammlung der Pflanzen, sondern auch den Erhalt der Baulichkeit bis hin zu dem Zeitpunkt, wenn der Halter seiner Tätigkeit aus gesundheitlichen oder Altersgründen nicht mehr nachgehen kann.
Wolfgang Salz 11/2005
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